Vogelstimmen

Unzählige Vogelstimmen sind draußen in der Natur zu hören. Ob es das Zwitschern der Spatzen, der Balzruf des Uhus, der Ruf des Kuckucks oder das lautstarke Krächzen eines Krähenschwarms ist, vor allem im Frühling machen sich die Vögel lautstark bemerkbar.

vogelstimmen.org - Die deutsche Bezeichnung ist vom Balzruf des Uhus abgeleitet.

Der Gesang war für die größte Gruppe der Vögel, die Singvögel (Passeriformes) sogar namensgebend. Denn nur die Singvögel haben die Fähigkeit die komplizierten Lautmuster zu erlernen, die der Mensch gemeinhin als Vogelgesang wahrnimmt.

Vogelstimmen als Mittel der Kommunikation

Die wahre Bedeutung des Vogelgesangs war lange umstritten. So ging die Wissenschaft bis in die Neuzeit davon aus, dass Vögel nur aus reinem Spieltrieb, Lebensfreude oder zur Erheiterung der Umwelt singen würden.

Erst der Ornithologe Bernard Altum stellte in seinem wegweisenden Buch Der Vogel und sein Leben aus dem Jahr 1868 als erster eine Theorie zur Revierbildung bei Vögeln und deren Territorialverhalten vor und berücksichtigte dabei auch die Funktion des Vogelgesangs.

Alle Vögel sind schon da, alle Vögel, alle!
Welch ein Singen, Musizieren,
Pfeifen, Zwitschern, Tirilieren!

Zahlreiche Studien belegen, dass die Gesänge der Singvögel, welche ungefähr die Hälfte aller Vogelarten bilden, hauptsächlich zum Anlocken von Partnern und der Verteidigung eines Territoriums dienen.

Weibchen können so auch Hinweise auf die Leistungsfähigkeit und den Gesundheitszustand eines Bewerbers erhalten, denn in den gemäßigten Breiten der Nordhalbkugel singt meist nur das Männchen.

Vogelgesang und Vogelruf

Der Gesang der meisten Singvögel ist melodisch bzw. strophenartig aufgebaut und kann mitunter sehr viele Varianten haben. Im Gegensatz zu anderen Vogelarten (Nonpasseriformes) ist der Gesang den Singvögeln nicht angeboren, sondern muss während der Jahreszeit nach der Geburt erlernt werden.

Unter den einheimischen Vogelarten haben zum Beispiel die Amsel, die Singdrossel, die Nachtigall und das Rotkehlchen einen komplexen Gesang. Singvögel mit einfach strukturierten Gesängen sind u.a. der Haussperling und die Mehlschwalbe.

Die Gründe, warum manche Arten komplex singen, andere hingegen nur einfache Gesänge ausstoßen, sind noch nicht abschließend geklärt.

Interessant ist auch das unterschiedliche Territorialverhalten, welches mit der Fähigkeit einhergeht komplexe Gesänge zu produzieren. So haben Forschungen gezeigt, dass Vogelarten mit komplexen Gesängen sich gegenüber Artgenossen eher aggressiv und egoistisch verhalten, als Singvögel mit einfachen Gesängen. Und so ziehen dann auch die Singvögel mit den komplexen Gesängen während des Vogelzugs einzeln oder in sehr kleinen Trupps und das meistens nachts.

Rufe gibt es bei allen Vögeln und stets bei beiden Geschlechtern. Die Rufe müssen bis auf wenige Ausnahmen nicht erlernt werden und sind meist mit einem bestimmten Zweck (Warnung, Kontaktaufnahme) verbunden. Dazu gehören Lautäußerungen wie zum Beispiel: Balzrufe, Blasen und Tuten, Gackern, Fauchen, Schnarren, Schmatzen, Schmätzen und Schwätzen, Zirpen, Flirren und Schwirren, Gurren, Klappern, Klopfen, Krächzen, Krähen, Kreischen, Tschilpen und vieles mehr.

Die Lauterzeugung erfolgt bei Vögeln meist in der Syrinx, dem Stimmkopf der Vögel, der ähnlich wie eine Orgelpfeife funktioniert. Der Stimmkopf liegt bei den meisten Arten an der Gabelung zwischen der Luftröhre und den Bronchien und enthält schwingungsfähige Membranen, mit denen die Vögel ihren Gesang erzeugen.

Vogelstimmen und der Mensch

Der Vogelgesang allgemein, insbesondere einzelne Vogelstimmen, werden vom Menschen oft als wohlklingend und angenehm empfunden. Vogelstimmen sind als Stilmittel in Kunst und Literatur weit verarbeitet und stellen in der Musik Vorbilder für Instrumente und Tondichtungen dar.

Wer kennt nicht die berühmte Szene in dem Stück „Romeo und Julia“, in der die nachtaktive Nachtigall und die tagaktive Lerche eine wichtige Rolle spielen. Denn seit dem englischen Dichter Geoffrey Chaucer (1340-1400) gilt die Nachtigall als Liebesvogel und die Lerche als Verkünderin des Morgens.

Willst du schon gehen? Der Tag ist ja noch fern.
Es war die Nachtigall, und nicht die Lerche,
Die eben jetzt dein banges Ohr durchdrang;
Sie singt des Nachts auf dem Granatbaum dort.
Glaub, Lieber, mir: es war die Nachtigall.

Auch in Kinder- und Volksliedern werden die Vogelstimmen einheimischer Vogelarten häufig als Thema eingesetzt. Lieder wie „Alle Vögel sind schon da“ oder „Die Vogelhochzeit“ gehören zu den bekanntesten deutschen Liedern.